Gras für den 8.Mai

Redebeitrag der GRAS Uni Wien:

Auch die GRAS Uni Wien feiert am 8.5. 2010 die militärische Kapitulation der Wehrmacht gegenüber den Alliierten, die sich heuer 65. Mal jährt. Damit feiern wir das Ende der planmäßigen und industrialisierten Massenvernichtung, das Ende des Dritten Reiches und der Alleinherrschaft der NationalsozialistInnen.

Was wir aber nicht feiern ist das Fortbestehen jener Verhältnisse, die den Nationalsozialismus hervorbrachten. In dem Sinne kann nicht von einer ausreichenden Befreiung geredet werden. Denn keineswegs konnte völkisches und antisemitisches Gedankengut so einfach weggebombt werden – Antisemitismus, völkische Ideologie, Antiziganismus sowie gesellschaftliche Strukturen in denen der autoritäre Charakter wurzelt und sprießt, bestanden und bestehen weiterhin fort.

In diesem Bewusstsein gedenken wir feierlich der militärischen Befreiung durch die Alliierten, mit Unterstützung von WiderstandskämpferInnen, PartisanInnen und DeserteurInnen. Wir gedenken auch all jener, die durch weniger sichtbare Interventionen Widerstand geleistet haben. Beispielsweise AusweisfälscherInnen, die JüdInnen zur Flucht verholfen haben. Menschen, die Verfolgte vor ihrer Deportation gerettet und versteckt haben, oder Lebensmittel und Kleidung weitergaben.

Unerträglich finden wir, wie von offizieller Seite mit der Shoah umgegangen wird. Wenn die Schuld und die TäterInnenschaft ausnahmsweise anerkannt werden, dann meist aber auch nur, um „befreit aufatmen“, endlich einen „Schlussstrich“ ziehen zu können, um beruhigt bestehende Strukturen weiter zu hegen und zu pflegen. Im Schrebergarten Österreich gedeiht unterdessen der Postnazismus munter weiter – was dem nationalen Ansehen schaden könnte, wird entweder adrett zurechtgestutzt, das braune Holz aus deutscher Eiche neu himmelblau gestrichen oder einfach mit schwarzer Blumenerde und roten Nelken zugedeckt.

Kein Wunder also, dass Kellernazis 17 Prozent der abgegebenen Stimmen bei BundespräsidentInnenschaftswahlen erreichen. Kein Wunder, dass ein Angehöriger einer rechtsextremen Burschenschaft dritter Nationalratspräsident ist. Und somit „typisch österreichisch“, dass Antisemitismus zum guten Ton bei Veranstaltungen im Wirtshaus wie auch in der Hofburg gehört. Als StudentInnen wird uns das tagtäglich auf der Uni vor Augen geführt – nicht nur jeden Mittwoch beim Couleurbummel am Dr. Karl Lueger Ring. Sichtbar wird dieser Normalzustand auch durch Lehrende, die aus ihrem rechten Gedankengut keinen Hehl machen.

Der Schoß ist fruchtbar noch. Wir wollen aber vor den falschen Verhältnissen nicht resignieren. Deswegen treten wir mit allen Mitteln gegen all jene Strukturen ein, die ihr Fortbestehen begünstigen. In dem Bewusstsein dass dies kein leichtes Unterfangen ist, müssen und wollen wir aber alle Handlungsspielräume nutzen die es gibt.

Und am Samstag wollen wir feiern. Mit euch.

Die GRAS Uni Wien

wien.gras.at